Effiziente Geschäftsprozesse beim Containertransport - Unterstützung der Angebotserstellung und Auswahl von Transportdienstleistungen durch eine digitale Plattform

Michael Teucke, Eike Broda und Michael Freitag

Der Containerverkehr ist sehr bedeutsam für den internationalen Handel und die Güterverteilung in globalen Produktionsnetzen. Die digitale Unterstützung der Containertransportprozesse ist jedoch häufig noch unzureichend. Dieser Beitrag zeigt, wie eine digitale Plattform die Interaktion zwischen den Akteuren aus Industrie und Logistik bei der Durchführung von Geschäftsprozessen im Umfeld von Containertransporten erleichtern kann. Am Beispiel der Angebotserstellung und Auswahl von Transportdienstleistungen wird dargelegt, wie die Plattform Transaktionen zwischen Versendern und Transportdienstleistern unterstützt. Die Nutzung der digitalen Plattform erhöht die Prozesstransparenz und verringert den zeitlichen Aufwand für die Durchführung der Prozesse.

Containertransporte sind aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Kosten und der hohen Flexibilität essenziell für den globalen Handel und für Beschaffungs- sowie Distributionsprozesse in globalen Produktionsnetzwerken. Industrieunternehmen, die Stückgüter verschiedener Art über größere Distanzen transportieren wollen, befördern diese meist mit Containern im kombinierten Land- und Seeverkehr und beauftragen dazu spezialisierte Transportdienstleister [1-3].

Eine Vielzahl von Akteuren ist in die Anbahnung, Durchführung und Koordinierung der Containertransportprozesse eingebunden, sodass eine effiziente Zusammenarbeit und ein reibungsloser Austausch von Informationen zwischen diesen von hoher Bedeutung sind [4].

Eine Möglichkeit zur Unterstützung der Interaktion zwischen verschiedenen Akteuren stellen digitale Plattformen dar. Solche digitalen Plattformen stellen einen virtuellen Treffpunkt oder Marktplatz für Teilnehmer aus verschiedenen Bereichen zur Verfügung und bieten darüber hinaus Informationen über Transaktionsdetails und Prozesstransparenz [5-7]. Im Idealfall stellen sie ein Ökosystem für autonome Marktteilnehmer verschiedener Art dar [8].

Im Projekt COL4INDLOG wurde eine digitale Plattform zur Verbesserung der Interaktion und Zusammenarbeit zwischen Versendern aus der Industrie als Kunden von Transportdienstleistungen und den Anbietern von Transportdienstleistungen, z. B. Reedereien und Speditionen, entwickelt. Die Plattform soll Geschäftstransaktionen und den Informationsaustausch zwischen Industrieunternehmen und Logistikdienstleistern in der Transportlogistik erleichtern, wobei der Schwerpunkt auf maritimen Containertransporten liegt.

Ziel dieses Beitrags ist es, grundlegende Informationen über wesentliche Prozesse im Umfeld des Containertransports zu geben und beispielhaft Möglichkeiten zur Unterstützung mithilfe der entwickelten digitalen Plattform aufzuzeigen.
 

Geschäftsprozesse und Informationsflüsse beim Containertransport

Die Logistik des Containertransports im Seeverkehr umfasst neben dem physischen Transport zahlreiche Interaktionen und Geschäftsvorgänge zwischen Versender und Reederei (z. B. die Buchung eines Containerstellplatzes auf einem Schiff), Finanztransaktionen (z. B. die Bezahlung der Rechnung für einen Containertransport) sowie Informations- und Dokumentationsaktivitäten (z. B. die Erstellung eines Konnossements oder einer Ausfuhranmeldung). Diese können in die Phasen Angebot, Buchung, Durchführung und Nachbereitung des Transports unterteilt werden (Bild 1).
 

Bild 1: Physischer Containertransport und damit verbundene Geschäftsprozesse und Informationsflüsse.

 

Diese Aktivitäten erfordern einen umfangreichen Informationsfluss zwischen den beteiligten Parteien und den Austausch einer großen Anzahl von Unterlagen und Dokumenten. Neben Versendern und Logistikdienstleistern, wie Reedereien, sind auch zwischengeschaltete Organisatoren (z. B. Schifffahrtsagenten), Finanzdienstleister (Banken und Versicherungen) sowie Regierungs- oder Regulierungsbehörden, die für die öffentliche Infrastruktur, die Sicherheit und die Kontrolle der Einhaltung des internationalen Rechts zuständig sind (z. B. Zoll- und Hafenbehörden), involviert. Insgesamt können an einem Containertransport 40 verschiedene Parteien beteiligt sein, welche mehr als 100 Dokumente untereinander austauschen [9].

Innerhalb des Projekts wurde eine Analyse bei einem industriellen Hersteller von Holzpanelen durchgeführt, welcher Kunden in mehr als 70 Ländern bedient und hierzu mit mehr als 20 verschiedenen Reedereien ca. 400 Transporte im Jahr mit einem Gesamtvolumen von mehr als 1.500 Containern abwickelt. Die Analyse ergab, dass die Kommunikation und der Datenaustausch noch größtenteils mit hohem manuellem Aufwand und hoher Fehleranfälligkeit über traditionelle Kommunikationskanäle abgewickelt werden. Dokumente werden mittels Textverarbeitungs- und Berechnungen mittels Tabellenkalkulationssoftware erstellt und in Form von Dateien per E-Mail versendet, die direkte Kommunikation zwischen den Bearbeitern erfolgt meist per Telefon.
 

Unterstützung der Prozesse durch eine digitale Plattform

Die Plattform konzentriert sich auf Prozesse, die eine direkte Interaktion mit einem wiederholten Informationsaustausch zwischen Endkunden aus der Industrie und Logistikdienstleistern beinhalten. Im Ergebnis wurden vier spezifische Prozesse ausgewählt, welche die Plattform unterstützen soll [10]:

  1. Angebot und Auswahl von Transportdienstleistern

  2. Buchung von Containerstellplätzen

  3. Vorbereitung und Ausstellung von Frachtpapieren (z. B. Konnossement)


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