Transparenz in intralogistischen Prozessen - Transparenzsteigerung in der Logistik durch den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien

Franziska Baumgärtel, Luise Weißflog und Ralph Riedel

Steigende Komplexität, Variantenvielfalt, erhöhte Kundenanforderungen, kurze Durchlauf- und Lieferzeiten – mithilfe von Industrie 4.0 sollen die in den letzten Jahren stetig wachsenden neuen Anforderungen an die Produktionsunternehmen beherrschbar gemacht werden. Die häufigste Thematik stellt dabei die fehlende Transparenz und die effiziente Gestaltung der intralogistischen Prozesse dar. Im Rahmen des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Chemnitz konnte in verschiedenen Projekten der Einsatz von Auto-ID zur transparenten und effizienten Gestaltung der Intralogistik aufgezeigt werden, so beispielsweise in einem Umsetzungsprojekt mit einem KMU der Region, bei dem die Reduzierung des Suchaufwands erreicht werden sollte. Der Einsatz moderner Informationsund Kommunikationstechnologien schafft Transparenz und hat einen positiven Einfluss, auf die Produktion, die Arbeitsabläufe sowie auf die Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit.

In Zeiten steigender Komplexität und variierender Kundenanforderungen stehen viele Unternehmen vor der großen Herausforderung ihre Leistungen immer schneller, flexibler und individueller anzubieten. Dies hat auf nahezu alle Unternehmensbereiche entsprechende Auswirkungen, so auch auf die Intralogistik. Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, sind häufig verschiedene Digitalisierungsstrategien im Einsatz. Möglichkeiten bieten die Nutzung digitaler Assistenzsysteme und Systeme zur Identifizierung und Lokalisierung, bei denen Mitarbeiter in der Durchführung ihrer Arbeit unterstützt werden [1]. Das Mittestand 4.0-Kompetenzzentrum Chemnitz hat sich auf die aktive Unterstützung und Begleitung von kleinen und mittelständischen Unternehmen zu Themen der Digitalisierung und Vernetzung spezialisiert und hilft so den KMUs bei ihrem Weg der Digitalisierung. Gerade der Einsatz von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien, wie Assistenzsysteme oder verschiedenen Auto-ID-Technologien, kann die Transparenz und Effizienz von intralogistischen Prozessen steigern, eines der Hauptziele vieler Unternehmen, um wirtschaftlicher und produktiver tätig zu sein ,wie auch die Praxisbeispiele zeigen werden. Nachfolgend soll für ein besseres Verständnis ein kurzer Überblick über am Markt etablierten Technologien zu Auto-ID und Assistenzsystemen, im Kontext der Praxisbeispiele, vermittelt werden.


Bild 1: Datenhandschuh im Kommissioniereinsatz.

Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien

Während IuK-Technologien in anderen Branchen, wie im Einzelhandel, bereits seit vielen Jahren erfolgreich im Einsatz sind, werden diese nun auch im produzierenden Gewerbe immer häufiger angewendet. Vor allem Informationstechnologien wie Auto-ID finden in der Produktion und Logistik gerne Verwendung, da sie den Prozess sicherer und fehlerfreier gestalten. Durch Assistenzsysteme in Kombination mit Auto-ID kann die Transparenz der Produktionsprozesse gesteigert werden, was Vorteile für die Prozesssynchronisation, das Bestandsmanagement und die Produktivität hat. Die eingesetzten Technologien dienen der Objektidentifizierung und werden somit zur lückenlosen Rückverfolgung über Status und Position der Ware im Produktions- und Logistikprozess verwendet. Prinzipiell kann zwischen optischer Identifikationstechnologie, wie beispielsweise 1D, 2D oder 3D Code und elektrischer Identifikationstechnologie wie NFC, RFID, BLE und UWB unterschieden werden. Welche Technologie im Unternehmen Anwendung finden kann, ist insbesondere vom Einsatzort und den individuellen Rahmenbedingungen abhängig [2].

Bei der optischen Erfassung können mithilfe von natürlichen Identifizierungsmerkmalen oder angebrachten Kennzeichnungen Objekte kostengünstig identifiziert werden. Vor allem 2D-Codes sind sehr robust, weisen eine hohe Verlässlichkeit auf und sind auf fast jedem Material anbringbar. Die Reichweite der Datenerfassung ist jedoch gering und die Identifikationsmerkmale müssen bei der Erfassung stets sichtbar sein [3].

Einzelne Technologien der elektronischen Erfassung sind nicht nur zur Identifizierung, sondern ebenso auch zur Lokalisierung geeignet, so beispielsweise RFID, BLE oder auch UWB. Diese Technologien sind durch ihre IT-Anforderungen und Komponentenbestandteile häufig preisintensiver. Der Vorteil ist jedoch, dass keine Sichtverbindung notwendig ist und dass die Technologien robust und resistent gegen Umwelteinflüsse sind. Ebenso ist auch die Reichweite um ein vielfaches höher, als bei reinen Identifizierungstechnologien [4].

Neben Auto-ID gibt es Assistenzsysteme, die in der Logistik, speziell in der Kommissionierung häufig angewendet werden. Pick by Voice/Vision/Light sind Technologien, bei denen keine direkte Objektidentifizierung stattfindet. Vielmehr werden dem Mitarbeiter die Entnahmeorte visuell oder akustisch mitgeteilt. Insbesondere in Kombination mit Auto-ID lassen sich effiziente, fehlerarme Kommissionierprozesse durchführen [5, 6].

Es gibt noch eine Vielzahl mehr an Technologien, die im Rahmen der Produktion und Logistik eingesetzt werden können. Die erwähnten Technologien sind am Markt gut etabliert und in den nachfolgenden Unternehmensbeispielen verwendet worden. Für jedes Unternehmen und jeden Anwendungsfall muss individuell die passende Technologie untersucht und getestet werden, da die Auswahl stark von den Rahmenbedingungen und den Anforderungen im Unternehmen abhängig sind. Dabei können sowohl Einzellösungen, als auch Kombinationen aus verschiedenen Technologien erfolgreich sein, wie die nachfolgenden Einblicke in die Praxis zeigen.

Praxisbeispiel: Assistenzsysteme in der Kommissionierung

Im Rahmen eines Thementags des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Chemnitz bei der Schnellecke Logistics Sachsen GmbH (SLS) erhielt das Zentrum Einblicke zum Einsatz der verwendeten Kommunikationstechnologien im Logistikprozess. Als Zulieferer der Automobilindustrie ist SLS unter anderem in der Kommissionierung sehr aktiv. Eine seit vielen Jahren im Einsatz befindliche Technologie ist Pick-by-Voice. Die Mitarbeiter bekommen konkrete Entnahmeorte angesagt und geben ebenfalls per Spracheingabe Bestätigungen, Positionierungen und Fehlermeldungen zurück an das System. Durch die integrierten Prüfprozesse und echtzeitbasierten Daten können Fehlgriffe reduziert sowie Flexibilität und die Effizienz gesteigert werden, was vor allem beim Kommissionieren wesentliche wirtschaftliche, zeitliche sowie prozesstechnische Vorteile hat. Neben den ersichtlichen Mehrwerten ist die Technologie allerdings nicht für alle Anwendungsfälle geeignet und kommt beispielsweise bei lauteren Umweltgeräuschen an seine Grenzen. Insbesondere für Bereiche mit höheren Geräuschpegeln, wie der Achsmontage bei Schnellecke, wurden daher Alternativen untersucht, die ebenso positive Effekte auf die Transparenz und Effizienz von Intralogistikprozessen haben.

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